Martin, die Divas und der Milk Punch

Martin Brunner hat ganz klein angefangen. Im wahrsten Sinne des Wortes, denn schon im Alter von 12 Jahren half er im elterlichen Betrieb mit. Er zählt jetzt 47 Lenze und blickt auf 35 Jahre Gastro zurück, davon 17 Jahre für die Bar des Kölner Savoy Hotels. Sein internationales Team arbeitet seit Jahren zusammen und besteht mit Björn Joist, Juri Bagherzadeh und Niclas Cammann aus drei festen Bartendern. Der Schwerpunkt der Barmannschaft liegt auf Signatures, eigenkreiert und -produziert. Momentan läuft im Savoy selbstverständlich Gin, wie die letzten Jahre schon, so Brunner. „Wir arbeiten dennoch sehr ausgewogen“, sagt Brunner. Die Verhältnismäßigkeiten zwischen den Spirituosenkategorien sind im Savoy wichtig, um dem Gast den richtigen Service zu bieten. Zu den Gästen des Savoys gehören Kölner Barflys, genauso wie bekannte Gesichter aus Film, Funk und Fernsehen. Rund 70% der Drinks, die über den auf Hochglanz-polierten Tresen gehen, sind Signature-Cocktails.

 

Auf die Frage, wie er reagiert hat, als er das erste Mal einen Asbach 8 in den Händen hielt, antwortet er: „Was ist das? Ich kenne natürlich Asbach Uralt, bekannt vom Longdrinklassiker Asbach-Cola. Das war mein erster Gedanke. Der zweite war: Asbach hat außergewöhnliche Qualitäten, da macht es Sinn, diese Traditionsmarke entsprechend zu nutzen und mit attraktiven Varianten in der Bar zu aktivieren. Darüberhinaus ist Asbach eine deutsche Marke, und ich arbeite gerne mit Produkten, die eine regionale Geschichte zu erzählen haben. Unsere Gäste fragen regelmäßig danach. Das Thema Regionalität ist für mich top-of-mind, dies fließt natürlich auch in die Bar mit ein. Und ich wollte etwas vollkommen Neues mit Asbach entwickeln.

Das führt uns zum „Milk Punch“. Martin Brunner erklärt: „Asbach ist ein über 125 Jahres altes Traditionsunternehmen und betreibt in Deutschland mit dem wohl größten Fasslager einen immensen Aufwand für seine hochwertigen, gelagerten Brände. Allerdings ist das dem Gast schwierig modern zu präsentieren. Was wir versuchen wollen, ist die Qualität in seiner DNA darzustellen. Dazu haben wir uns einer sehr alten Technik bedient, die schon weit über 100 Jahre existiert.“

Die Geschichte des Milk Punch beruht auf der Klärung durch Milch. Vor hundert Jahren wandte man diese Technik an, um mangelnde Kühlung auszugleichen oder astringierende Bestandteile aus Spirituosen zu entfernen, um sie sie runder, weicher und bekömmlicher zu machen. Der heutige Qualitätsstandard macht beide Gründe überflüssig, dennoch wird die Technik heute aus anderen Gründen wieder sehr interessant; Thema Prebatching. Vorbereiten, lagern und im laufenden Betrieb einfach einsetzen – das sind Vorteile im modernen Bartending, selbst für Premium-Bars, wenn die Zutaten richtig ausgewählt sind.

Und was passiert beim Klären mit Milch? Simpel erläutert: die Milch flockt aus, wenn sie mit Säure in Verbindung kommt. Diese ausgeflockte Milch wirkt als Filtermedium.

Als Equipment reicht ein handelsübliches Sieb oder ein Kaffeefilter. Der große Aufwand besteht in der Filtration, die 11 – 12 Stunden Wirkzeit benötigt.

Martin Brunner: „Man kann sich das vorstellen wie ein Schwamm, der alles aufsaugt, was in dem Moment nicht für diesen Drink erwünscht ist. Das ist die grobe Herangehensweise.“ Im Fall des Asbach Milk Punch ist der Drink leicht, klar, frisch und beschwingt. Ein transparenter Drink, der aber immer noch den Geschmack des Asbachs in sich trägt. Er hat keine Schwere und sein Erscheinungsbild ist komplett abstrahiert von dem, was man eigentlich erwartet.

Die Gäste reagieren sehr überrascht. Erwarteten sie, gelernt von Cognac oder Weinbrand-Drinks, eine bedeutungsschwangere, intensive Spirituose, so tist das Erlebnis im Gals das genaue Gegenteil. Im Geschmack leicht, hat der Drink dennoch genug Kraft und überzeugt mit dem Geschmack von Asbach 8. Für alle Asbach-Fans eine Wiederentdeckung, für alle anderen ist es eine Aromenreise mit Entdeckertum. Es wurden Wetten mit den Gästen abgeschlossen: wenn sie erraten, welche Basisspirituose dem Drink zugrunde liegt, könnten sie einen ganzen Abend frei trinken, versprach man. Bis heute hat das allerdings noch niemand geschafft, sagt Brunner.

Im Drink werden neben der Milchklärung noch Orangensaft, Zitronensaft und Oleo Saccharum verarbeitet. Zu letzterem nimmt man handelsüblichen Zucker und fügt Orangen- und Zitronenzesten, welche von der weißen Schale befreit sind, mit dazu und vakuumiert sie. Der Zucker entzieht dann den Schalen die ätherischen Öle, und man erhält ein vollkommen natürliches und sehr hochwertiges Süßungsmittel.

Serviert wird der Milk Punch im Tumbler mit großen Eiskugeln und mit einer Orangenzeste, um die Nase auf den köstlichen Drink vorzubereiten. Brunner schwört auf die Orangen als Zestengeber, sie sind für ihn viel angenehmer im Drink ist als die klassische Zitrone.

Und nein, ein Milk Punch ist kein Milkshake. Die Milch als solches ist nicht greifbar für das Auge und im Drink selbst nicht mehr zu erkennen. Die 8 cl Reise in die Welt des Milk Punch erlebt man für 12,50 €. Leicht, frisch und spritzig. Cheers!

2 Gedanken zu „Martin, die Divas und der Milk Punch“

  1. Als Stammgast seit der Eröffnung des Savoy Hotels, sind mir die Anfänge von Martin Brunner durchaus noch im Gedächtnis. Gerade die vielen eigenkreierten Drinks sind eine Wucht und alles mit viel Liebe vom gesamten Barteam zubereitet. Jeder meiner Gäste muß zumindest einmal im Savoy in der Divas Bar oder auf der Sky Lounge gewesen sein.

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