Gastbeitrag: Neuer Master Blender bei Distell

Wenige Personalien beeinflussen einen Whisky so, wie die des Master Distillers. Manchmal lassen sich die Schotten auch phantasievollere Titel dafür einfallen, „Head of Whiskycreation“ , Director of Distilling, Whisky Creation & Whisky Stocks oder Director of Blending and Inventory.

Eine wichtige Neuerung gibt es nun für die Whiskies der Südafrikanischen Distell Gruppe. Die Rede ist von Deanston, Tobermory und Bunnahabhain und die Blends Scottish Leader und Black Bottle. Viele Jahre lang war Ian MacMillan der Head of Distilleries & Master Blender für die damals noch unter Burn Stewart gebündelten Whiskies, ihm folgte Kirstie McCallum als Senior Blenderin und seit 2019 ist Julieann Fernandez Masterblenderin. Distell ist jetzt mit Brendan McCarron ein echter Coup gelungen, er übernimmt den Job von Stephen Woodcock der zu Glen Moray wechselte. McCarron sieht zwar ein bisschen so aus, wie der nette Junge von nebenan mit dem man abends gern mal ein Bier trinkt. Aber wahrscheinlich hält Whiskyarbeit jung, schließlich hat er doch schon über 15 Jahre Erfahrung in dem Job. Begonnen hat Brendan bei Diageo und war dort unter anderem für die Islay Group verantwortlich (Port Ellen, Lagavulin und Caol Ila), seit dieser Zeit kenne ich ihn auch. Dann wechselte er zu Glenmorangie/Ardbeg und war die linke oder rechte Hand von Dr. Bill Lumsden. Persönlich hatte ich ja erwartet, dass Brendan irgendwann einmal den Job von Bill übernimmt ein paar Mal hab ich die beiden zusammen getroffen und sie haben sich wirklich gut ergänzt. Aber wenn eine andere reizvolle Aufgabe winkt, dann kommt es eben anders. Wer sich erinnert, die drei Burn Stewart Brennereien haben eine wechselvolle Geschichte hinter sich und in den Jahren vor der Übernahme durch Distell gab es nicht nur einen Investitions~ sondern zudem einen Innovationsstau. Mit Distell kam frisches Geld, Deanston und Tobermory wurden oder werden renoviert und auch bei Bunnahabhain floss Geld in die Brennerei. Nun kommt mit Brendan einer ans sensorische und qualitative Ruder der nicht nur frische Ideen, sondern auch die Qualifikation dafür hat.

Um zu erfahren, wie es ihm geht hab ich kurz mit ihm telefoniert.

BS: Brendan was sind deine neuen Aufgaben?

Brendan: „Als Master Distiller gehört alles, was den Whisky anbelangt zu meinen Aufgaben. Die einzelnen Distillery Manager sind in meinem Team, die Masterblenderin, das gesamte Inventarmanagement und Lagerverwaltung alle berichten an mich. Meine Arbeit erstreckt sich vom Einkauf des Rohmaterials bis zur Fertigstellung des Whiskies so wie man ihn kaufen kann.“

BS: Dann bist du also sowas wie der neue Chef da?

Brendan: „Yeah“, natürlich habe ich dann auch wieder einen Chef, Julian Patton, an den ich berichte. Sein Titel ist, glaub ich, International Supply Chain Director, der ist mein Chef. Und wir haben ein gutes Verhältnis denn er war mal Brauer und kennt das ganze Verfahren.

BS: Was willst du als erstes Verändern oder Sicherstellen

Brendan: „Das tolle ist, was das „liquid“ (gemeint ist das frische Destillat und das Reifende) anbelangt habe ich fantastische Qualitäten zu Verfügung. Da muß ich gar nichts verändern. Was ich machen will, ist den Lagerbestand zu erhöhen, so dass wir in Zukunft mehr Whisky haben und wachsen können.

Daher will ich die Produktion erhöhen, speziell bei Bunnahabhain und auch bei Deanston. Und ich will ein bisschen egoistischer sein. Wir produzieren ja noch viel für Blends, nicht nur für unsere Eigenen. Das würde ich gern zu Gunsten unserer eigenen Marken etwas zurückfahren. Ich möchte der Welt einfach die Chance geben mehr von dem phantastischen Deanston, Ledaig und Bunnahabhain genießen zu können, natürlich auch vom Black Bottle und Scottish Leader. Black Bottle kenn ich schon seit meiner Jugend, kann sein dass der in der Zukunft etwas rauchiger wird.“

BS: Was reizt dich am meisten an deinem neuen Job

Brendan: „Auf den Fall die große Bandbreite der Produkte die wir haben.  Ebenso das Team das mir zuarbeitet. Die Managerin von Tobermory Cara Gilbert, sie ist noch sehr jung aber absolut talentiert und voller Energie, ich hab mit Andrew Brown bei Bunnahabhain einen Mann mit über 40 Jahren Erfahrung und bei Deanston Andrew Waite, einen ehemaliger Brauer, ebenfalls ein Mann mit großem Talent. Es ist wirklich toll, ich hab nun alles. Im Lauf der letzten Jahre hab ich die Produktion vermisst, ich liebe das – nun kann ich wieder destillieren. Mir steht ein Budget zu Verfügung um gute (exciting) Fässer zu kaufen.“

Dann begann das Boarding auf dem Flughafen von Islay und unser Gespräch war zu Ende.

Die Brennereien hab ich alle schon mal besucht und habe „fond memories“ wie man in Schottland sagen würde. Bunnahabhain war schon immer einer meiner Lieblinge, der lange unterschätzt wurde. Mit Brendon am „Ruder“ werden in der Zukunft sicher einige tolle Whiskies auf den Markt kommen. Aber wie immer bei Whisky ist etwas Geduld wichtig.

Bernd Schäfer

Master of the Quaich

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